Brand Wand Band

Fenster zum Hof - Hobrechts Schatten

bearbeitet von: Lena Kurzel, Fabienne Fink

Die Wohnanlage Nordufer liegt direkt am begrünten Ufer des Spandauer Schifffahrtskanals im Berliner Stadtteil Wedding, eingebettet in ein vielschichtiges urbanes Umfeld. Gründerzeitliche Blockrandbebauungen treffen hier auf zeitgenössische Wohnanlagen und genossenschaftliche Projekte, ergänzt durch großmaßstäbliche Einrichtungen wie die Charité, das Robert-Koch-Institut oder das Kraftwerk Moabit. Das Gebiet zeichnet sich durch kulturelle Vielfalt, soziale Durchmischung und hochwertige Aufenthaltsräume entlang des Kanals aus, darunter Promenaden, Parks und Spielplätze.
Im Rahmen einer Nachverdichtung innerhalb des klassischen Berliner Blocks entsteht das Wohnbauprojekt „Brand Wand Band“ auf einem kleinen, rückwärtigen Grundstück. Der Entwurf reagiert auf die komplexen städtebaulichen Bedingungen, geringe Grundstücksfläche, begrenzte Belichtung und dichte Blockinnenlage und schafft auf engstem Raum konstruktive Klarheit, räumliche Offenheit und soziale Vielfalt.
Zentrales konzeptionelles Element ist die historische Brandwand, die als identitätsstiftende, tragende Scheibe erhalten und aus Hochlochziegeln wiederhergestellt wird. Vor dieser massiven Wand wird ein leichter, vorgefertigter Holzbau gesetzt, der in Materialität und modularer Konstruktion einen bewussten Kontrast bildet. Der Holzbau übernimmt sowohl statische als auch funktionale Aufgaben, darunter die zentrale Erschließung über Treppenhäuser, Personenaufzug und Müllaufzug.
Das Erdgeschoss ist weitgehend geöffnet und ermöglicht eine großzügige Durchwegung zwischen den angrenzenden Höfen. Hier sind auch gemeinschaftlich genutzte Räume wie eine Quartierswerkstatt sowie Abstellflächen für Fahrräder angeordnet.
Insgesamt entstehen 16 Wohneinheiten für 28 Personen. Die vier Obergeschosse bieten unterschiedliche Wohnungstypen: barrierefreie Zwei-Zimmer-Wohnungen für seniorengerechtes Wohnen, Clusterwohnungen aus kompakten Ein-Zimmer-Appartements mit gemeinschaftlichem Raum sowie großzügige Drei-Zimmer-Familienwohnungen. Jede Einheit verfügt über private Balkone, die dem Baukörper vorgelagert sind und zur Differenzierung der Fassaden beitragen. Die Flexibilität der Grundrisse fördert eine altersgemischte, sozial durchmischte Nachbarschaft.
Auf dem Dach entstehen gemeinschaftlich nutzbare Bereiche sowie eine Dachterrasse. Photovoltaikmodule und extensive Begrünung integrieren ökologische Aspekte und tragen zur Energieversorgung bei.
Zusätzlich wird der bestehende kammerartige Bau der Reformwohnanlage durch einen Dachausbau erweitert, um zusätzlichen Wohnraum zu schaffen. Großflächige Schleppgauben und Dachflächenfenster orientieren sich am Fassadenrhythmus des Bestands und verbessern Lichtzufluss und Belüftung. Die neuen Wohneinheiten im Dachgeschoss sind nach Nordosten für private Räume und nach Südwesten für Wohn- und Kochbereiche zoniert, wodurch Belichtung, Belüftung und funktionale Trennung optimal organisiert sind.
Energetische Maßnahmen wie Zwischensparren- und Untersparrendämmung gewährleisten eine nachhaltige Nutzung, während der Charakter der Bestandsbebauung bewahrt bleibt.
Das Projekt „Brand Wand Band“ ist damit ein Modell für qualitätsvolle Nachverdichtung im urbanen Bestand: Es verbindet historische Strukturen mit zeitgemäßer, flexible Wohnarchitektur, berücksichtigt ökologische Standards und stärkt die soziale Funktion des Wohnraums.

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