Der Raum dazwischen

Fenster zum Hof - Hobrechts Schatten

bearbeitet von: Meltem Ergen, Felix Thiemann

Die Reformwohnanlage am Nordufer in Berlin-Wedding wurde 1904–1905 nach Plänen von Paul Kolb für den Berliner Spar- und Bauverein errichtet. Ziel der Genossenschaft war es, durch gemeinschaftliches Eigentum bezahlbaren, gesunden Wohnraum für breite Bevölkerungsschichten zu schaffen. Die Anlage liegt direkt am Spandauer Schifffahrtskanal und ist eingebettet in ein vielfältiges städtisches Umfeld zwischen den großvolumigen Einrichtungen der Charité im Norden und dem Kraftwerk Moabit sowie dem Westhafen im Süden.

Trotz der urbanen Dichte zeichnen sich die Innenhöfe der Anlage durch Ruhe und Grün aus. Die kammartige Struktur des Blocks ermöglicht großzügige Innenhöfe, die Belichtung, Durchlüftung und Aufenthaltsqualität steigern. Die Anlage ist in drei Haupthöfe gegliedert: den funktional geprägten Buchhof mit Spielmöglichkeiten, den Fehmarnerhof mit Sitzbereichen und den besonders ruhigen, gartenhaft gestalteten Ehrenhof, der direkt an den Entwurfsstandort grenzt. Die Durchlässigkeit zwischen den Höfen schafft ein feinmaschiges Wegenetz und begünstigt Begegnungen der Bewohner:innen.

Die gelebte Nutzung der Außenräume zeigt, dass die Genossenschaftsstruktur aktiv gepflegt wird: Pflanzungen, Sitzgruppen und selbstgenutzte Elemente fördern Teilhabe und machen die Höfe sowohl architektonisch als auch sozial zum Rückgrat der Anlage.

Der Neubau fügt sich behutsam zwischen zwei bestehende Brandwände ein. Ein kompakter Baukörper erhält die Großzügigkeit der Höfe und deren Aufenthaltsqualität. Die Wohnungen sind barrierefrei, flexibel nutzbar und ermöglichen sowohl Eck- als auch Durchwohnsituationen für gute Belichtung und Querlüftung. Jede Einheit verfügt über mindestens eine Lodgie zur Südwestseite (größere Einheiten besitzen zwei). Durch die Schaltbarkeit der Grundrisse können unterschiedlichste Lebensformen darunter Familien, WGs oder altersgerechtes Wohnen, flexibel abgebildet werden.

Das Erdgeschoss reagiert auf die Bedarfe vor Ort: ein großzügiger Fahrradabstellraum, eine Werkstatt für Reparaturen, Kinderwagen- und Rollatorenräume sowie ein Müllaufzug sorgen für funktionale und barrierefreie Nutzung. 

Im Dachgeschoss entstehen gemeinschaftliche Räume und eine Dachterrasse als kollektiver Begegnungsort für die Hausgemeinschaft. Besondere Aufmerksamkeit gilt dem denkmalgeschützten Bestand: Die äußere Gestalt und konstruktive Elemente bleiben erhalten, während die Wohnqualität im Inneren verbessert wird. Die Badkerne der 1980er-Sanierungen werden an die Rückseite der Wohnungen verlegt, wodurch individuelle Räume an der Nordseite flexibel genutzt werden können. Der vordere Wohnbereich wird zu großzügigen, durchgängig belichteten Wohnküchen geöffnet, was Aufenthaltsqualität und Funktionalität steigert.

Durch die Neustrukturierung des Erdgeschosses entstehen barrierefreie Zugänge und uneingeschränkte Nutzbarkeit der Wohnungen. Im Dachgeschoss wird eine maßvolle Nachverdichtung mit vier neuen, zweigeschossigen Wohneinheiten realisiert. Energetische Maßnahmen wie Auf- und Zwischensparrendämmung, neue Gauben und Fenster verbessern Belichtung, Be- und Entlüftung und entsprechen zugleich der historischen Dachgestaltung.

So entsteht ein Neubau, der sich nahtlos in die historische Hofstruktur einfügt, den genossenschaftlichen Gedanken fortführt und eine Verbindung zwischen Vergangenheit, Gegenwart und zukunftsfähigem, sozialem Wohnen schafft. Durch die Kombination aus Substanzwahrung, funktionaler Optimierung, barrierefreier Erweiterung und energetischer Sanierung entsteht ein qualitätsvoller Beitrag zur Weiterentwicklung des Bestands.

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