Reformblock Schillerhof, Berlin

BdW XIV Metropol

bearbeitet von: Marlene Brenner, Sophia Keppler

« Ziel war nicht Prunk, sondern praktisches, gesundes Wohnen - für alle. » 

Der Schillerhof wurde Mitte der 1920er-Jahre im Auftrag der städtischen Wohnungsbaugesellschaft DeGeWo nach Entwürfen von Erich Glas errichtet. Der Standort im Berliner Wedding, einem traditionellen Arbeiterviertel, war bewusst gewählt: Die Stadt reagierte hier gezielt auf die große Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum und die akute Wohnungsnot der Zeit.

Städtebaulich folgt die Anlage dem Prinzip der Blockrandbebauung, interpretiert dieses jedoch in reformorientierter Weise weiter. Eine teilweise aufgelockerte Randbebauung entlang der Holländer- und Winkelriedstraße wird durch eine offene Struktur zur Schwyzer Straße ergänzt, die Einblicke in den Innenhof erlaubt. Zwei orthogonal verlaufende Wohnriegel entlang der Schillerhofstraße gliedern den Block in einen nördlichen und einen südlichen Hofbereich. Diese innere Bebauung sorgt für eine gezielte Verdichtung, ohne den Hof zu zerschneiden, und schafft zwei begrünte Aufenthaltsräume mit klaren Blickbezügen.

Die Gestaltung des Schillerhofs ist sachlich, funktional und bewusst schmucklos, um Baukosten und Mieten niedrig zu halten. Gleichzeitig zeigt sich eine subtile Hierarchisierung der Architektur: Das Durchgangsgebäude an der Schillerhofstraße markiert den Übergang vom öffentlichen Straßenraum in den halbprivaten Innenhof. Ein betonter Giebel und reliefgeschmückte Fassadenelemente verweisen auf diese zentrale Erschließungsfunktion. Im Inneren prägen ockerfarbene Fassaden und horizontale Fensterbänder das Bild einer klar gegliederten, ruhigen Wohnanlage.

Die Wohnungen folgen standardisierten Grundrissen, was wirtschaftliches Bauen ermöglichte. Dennoch verfügte jede Einheit über ein eigenes Bad, eine eigene Küche und ein zentraler Gedanke des reformorientierten Wohnungsbaus. Balkone, Dachterrassen und der Blick in die begrünten Höfe verbesserten die Wohnqualität zusätzlich. Großzügige Innenhöfe, Vorgärten und ein parkartiges Wegenetz strukturieren die Anlage und schaffen halbprivate Freiräume für die Bewohnerschaft.

In ihrer Gesamtheit steht die Anlage in der Tradition des Berliner Blocks, einer Typologie, die urbane Dichte mit klaren Raumfolgen verbindet. Der Schillerhof greift diese Struktur auf, korrigiert jedoch bewusst deren Defizite wie etwa mangelnde Belichtung und fehlende Aufenthaltsqualität durch Offenheit, Grünräume und funktionale Klarheit. Damit verkörpert er den Geist der sozialreformerischen Wohnungsbauideen der Zwischenkriegszeit.

Das ausgewählte Bild zeigt einen Hauseingang des Schillerhofs und fokussiert bewusst die Schnittstelle zwischen öffentlichem und privatem Raum. Die mittig platzierte Eingangstür bildet das ruhige Zentrum der Komposition, wird jedoch durch eine seitlich ins Bild ragende Thuja bewusst gebrochen. Diese asymmetrische Rahmung erzeugt Spannung und verweist zugleich auf das Thema der Abgrenzung und Übergänge, das für den Wohnungsbau jener Zeit zentral war.

Ornamental hervorgehoben ist der Türbereich durch einen steinernen Bienenkorb, ein Symbol für Fleiß, Ordnung und Gemeinschaft – Werte, die eng mit der genossenschaftlichen und sozialreformerischen Wohnidee verbunden sind. Es entsteht ein Bild des Wohnens, das sowohl auf die gebaute Vergangenheit als auch durch das zeitgenössische Auge betrachtet werden soll.

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