Reformblock Salzburger Straße, Berlin
BdW XIV Metropol
bearbeitet von: Anja Kubasch, Petrit Isai
Zwischen Salzburger Straße, Wartburgstraße, Badenscher Straße und Martin-Luther-Straße entstand 1906/07 ein Wohnkomplex, der im bayerischen Viertel deutlich hervorsticht. Die Anlage setzt sich bewusst vom klassischen Berliner Mietshaus ab und öffnet sich mit mehreren Wohnhöfen, die den hinteren Wohnungen mehr Licht und bessere Belüftung bieten sollten. Obwohl die Höfe ursprünglich noch relativ geschlossen waren, führte die teilweise Zerstörung im Zweiten Weltkrieg zu einer stärkeren Auflockerung der Struktur, wodurch neue Verbindungen, größere Offenheit und verbesserte Durchströmung entstanden. Heute ist nur noch ein Innenhof in seiner ursprünglichen Geschlossenheit erhalten, während die übrigen Höfe öffentlich zugänglich bleiben.
Die Bebauung steht im Kontext der Reformbewegungen des frühen 20. Jahrhunderts, die sich gegen die übernutzten, dunklen Hinterhöfe der Mietskasernen richteten. Paul Mebes, der später gemeinsam mit Paul Emmerich ein Büro führte, gilt als einer derjenigen Architekten, die früh die Idee offener, hygienischer und funktionaler Wohnsiedlungen vorantrieben. Seine Architektur entwickelte sich von einer klassizistisch beeinflussten sachlichen Frühphase über eine expressive Periode mit zurückhaltenden expressionistischen Elementen bis hin zu einer sachlich-klaren Phase ab Mitte der 1920er Jahre. In Schöneberg zeigen sich seine Bemühungen, Tradition, Zweckmäßigkeit und ästhetische Zurückhaltung zusammenzuführen. Trotz eines bemerkenswerten Anspruchs, für alle Wohnungen gleichwertige Bedingungen zu schaffen, ließen Grundstücksgegebenheiten dies nicht immer zu.
Die Fassadengestaltung des Ensembles verbindet unterschiedliche Materialien und Gliederungen zu einem einheitlichen Gesamtbild. Vor- und Rücksprünge, Risalite, Erker, Loggien sowie das Wechselspiel von Backstein und Putz prägen die äußere Erscheinung, während eine horizontale Dreiteilung und zurückhaltender Schmuck die Fassade rhythmisieren. Ursprünglich reich ornamentierte Giebel gingen durch die Zerstörungen verloren. Die Wohnungsgrundrisse orientieren sich an zeittypischen Vorstellungen: zur Straße gerichtete Wohnräume, hofseitige Schlafräume, Küchen mit Speisekammern und schmalen Belichtungsöffnungen.
Bei einer Vorort-Begehung wurden die räumlichen Qualitäten der Anlage erfahrbar – die Abfolge der Höfe, die Torpassagen und die wechselnden Lichtverhältnisse, die durch Vor- und Rücksprünge der Fassaden entstehen. Gespräche mit Anwohnern zeigten, dass selbst langjährige Bewohner die komplexe Blockstruktur oft nicht vollständig kennen. Für die zeichnerische und digitale Analyse wurden historische Pläne, Fotos sowie eigene Beobachtungen herangezogen, sodass ein 3D-Modell entstand, das die Proportionen, Blickachsen und Lichtstimmungen präzise nachvollzieht. Der ausgewählte Bildausschnitt betont die Schwelle zwischen dunklem Durchgang und lichtdurchflutetem Hof und rückt damit jene räumliche Offenheit in den Mittelpunkt, die für diese Wohnanlage so charakteristisch ist.